Warum wirkt Reittherapie?

Dass tiergestützte Therapie überhaupt wirken kann, begründet sich in verschiedenen Theorien. Zum einen bescheinigt uns die sogenannte „Biophilie-Hypothese“ eine allgemein im Menschen verankerte Affinität zur Natur und anderen Lebewesen. In Verbindung damit sagt Phänomen der „Du-Evidenz“ aus, dass wir in der Lage sind, mit Tieren eine Beziehung einzugehen, die der zwischen zwei Menschen qualitativ gleichkommt. Daraus erklärt sich, warum Tiere uns auf emotionaler Ebene ansprechen, was die Basis der tiergestützten Intervention bildet.
Wir treten in eine analoge Kommunikation mit einem gleichgestellten Wesen und erhalten sofort ein Feedback über die Klarheit dieser Kommunikation. Dies kann Verhaltensmuster aufdecken und zu Lösungsstrategien führen, die für uns im Alltag wieder auf die zwischenmenschliche Interaktion übertragbar sind.

Das Pferd verkörpert verschiedene, meist positiv belegte Eigenschaften, wie zum Beipiel Stolz, Freiheit, vielleicht Wildheit, dabei aber auch Sanftheit und Freundlichkeit. Die Belegung mit diesen Attributen kann Erkenntnis zur Eigen- und Fremdwirkung nach sich ziehen. Es kann für den Einzelnen ein enormer Schritt sein, Wege zu finden, mit einem Wesen, das man als stolz und wild ansieht, zu kommunizieren und zu erleben, dass es uns vertrauensvoll folgen kann, wenn wir uns als souverän Führender erweisen.
Kinder, denen es schwer fällt, sich zu konzentrieren, können sehr von einem Führtraining profitieren, wenn sie dabei die Erfahrung machen, dass das Pferd ihnen folgt, wenn sie denn selbst den Weg im Kopf haben.
Sie profitieren enorm von der klaren Kommunikation, die nichts mit Lautstärke oder Kraft zu tun hat.
Ein wichtiger Punkt für die Reittherapie ist außerdem, dass es für das Pferd nicht von Interesse ist, wie wir aussehen und uns äußerlich darstellen. Für das Pferd zählt ausschließlich, wie wir uns ihm gegenüber verhalten. Es spiegelt unser Innerstes und gibt uns so die Möglichkeit, wieder zu uns selbst zurückzufinden.